Martina Reimann

Ich bin Architektin, 38 Jahre alt, gebürtige Berlinerin und arbeite und wohne seit über 10 Jahren in Bernau.

Der Bausektor gehört zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren. Derzeit sind die Bau- und Abbruchabfälle aufgrund verwendeter Verbundstoffe und schadstoffhaltiger Materialien nur bedingt recyclebar. Ein Großteil der Ressourcen wird deponiert oder thermisch verwertet, sprich verbrannt. Inspiriert vom cradle to cradle Prinzip möchte ich mich dafür einsetzen, dass Gebäude nicht nur weniger schlecht sind sondern einen positiven Fußabdruck hinterlassen. Neben dem Einsatz von regionalen und nachwachsenden Rohstoffen sowie erneuerbaren Energien könnten grüne Dächer- und Fassaden die Außenluft reinigen, Wintergärten die Innenraumluft aufbereiten, gesunde und feuchteregulierende Materialien das Innenraumklima verbessern und Gebäude durch Rückbaubarkeit zu Materialbanken werden, die die Ressourcen speichern und nach Ablauf der Nutzung wieder in die Kreisläufe geben.

Ebenso am Herzen liegt mir die Abfallvermeidung durch Um- und Nachnutzung bestehender Gebäude. Absurderweise werden oft auch aus ökonomischen Gründen Abriss und Neubau bevorzugt.

Der für den Barnim entwickelte “Leitfaden Nachhaltigkeit für Neubau und Bauerneuerung” könnte als Standard bei städtischen Bauvorhaben zur Umsetzung dieser Ziele beitragen und entsprechend eine Vorbildwirkung aufweisen.

Neben Baustoffabfällen und Verpackungswahn finde ich auch den Einsatz von Kunststoffen in vielen Bereichen besorgniserregend. Zum Beispiel gelangt bei der Gebäudedämmung mit Polystyrol oder beim Waschen von Bekleidung aus Kunstfasern in der Waschmaschine durch Schneid- und Schleifarbeiten bzw. durch Abrieb Mikroplastik in die Umwelt und schädigt unser Ökosystem.

Für ein vielfältiges, gesundes und lebenswertes Bernau möchte ich mich insbesondere im Bauweisen für alternative Möglichkeiten und bewussten Materialeinsatz ohne Abfall einsetzen.