Bündnisgrüne Kreistagsabgeordnete zum Kauf des HOKAWE

Das Thema Holzkraftwerk wird unter den Barnimer Grünen sehr kontrovers diskutiert. Ökologische Fragen der Belastbarkeit der heimischen Wälder und des Vorranges der stofflichen vor der energetischen Nutzung von Holz, die Holzpreisentwicklung, die Konkurrenz um Holz durch die geplanten Berliner Holzkraftwerke bis hin zur Infragestellung der wirtschaftlichen Betätigung des Kreises auf dem Energiesektor stehen dabei im Mittelpunkt.

Im Ergebnis aller Abwägungen sprechen sich die Vertreter der Grünen in der Kreistagsfraktion Grüne/Bündnis für ein demokratisches Eberswalde mehrheitlich für den Kauf des Holzkraftwerkes durch den Landkreis aus.

Die Energiewende und damit der Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien ist ein Grundanliegen grüner Politik. Dabei hat auch die Biomasse ihren Platz. Der Einsatz von Holz als Energieträger liefert einen wichtigen Beitrag zur von uns unterstützten Nullemissionsstrategie des Kreises.

Aufgrund der Dimension des HOKAWE bestehen jedoch auch Bedenken hinsichtlich der angestrebten regionalen und nachhaltigen Kreisläufe. Ein Neubau in einer solchen Größenordnung käme daher für uns sicher nicht in Frage. Die Übernahme des bestehenden, nach wie vor produzierenden Werkes durch den Kreis stellt indes sicher, dass ein öffentlicher Träger Verantwortung für ökologische und ökonomische Bedingungen des Betriebes trägt und die Gewinne den Kommunen vor Ort zugute kommen können.

Durch das Wärmenutzungskonzept kann ein Großteil der bisher in der Atmosphäre verpufften Abwärme genutzt und der Wirkungsgrad der Anlage deutlich verbessert werden. Immerhin 8.400 Wohnungen, 12 Schulen und Sporthallen sowie über 20 Gewerbeeinheiten, mit  Gesundheits- und Altenpflegeinrichtungen können dann zu ca. 80 % mit dieser Wärme versorgt werden. Bei Verzicht des Landkreises würde das Werk höchstwahrscheinlich einen anderen Käufer finden und weiterbetrieben werden. Es änderte sich also nichts am Holzverbrauch, die Nutzung der Wärme aber wäre ungewiss.

Ein kreisliches Engagement beim HOKAWE sehen wir weiterhin positiv als Beitrag zur Kommunalisierung des Energiemarktes und zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Die Laufzeit des Betriebes ist zunächst auf 14 Jahre veranschlagt – Zeit für die Erarbeitung und Überprüfung einer kreislichen Energiestrategie. Dann wird entschieden, ob ein Weiterbetrieb sinnvoll ist oder bessere Technologien und Konzepte bereit stehen.

Um den ökologischen Gesichtspunkten mehr Gewicht zu verleihen, schlägt die Fraktion Grüne/BdE dem Kreistag vor, für den Betrieb des Werkes eine Selbstverpflichtung zu übernehmen:

Die Barnimer Energiegesellschaft (BEG) übernimmt die Selbstverpflichtung, bei der Beschaffung des Holzbrennstoffes den Grundsatz der Nachhaltigkeit zu befolgen. Unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Sachverstandes der HNEE sind zeitnah ökologische Kriterien für die Holzbeschaffung festzulegen, die folgende Ziele beinhalten:

–          Regionalisierung der Holzbeschaffung (möglichst Umkreis von 160 km)

–          keine Verwendung von Holz aus außereuropäischen Ländern

–          Kontrolle der Holzlieferanten auf eine ökologisch verträgliche Waldbewirtschaftung

–          Holz möglichst aus zertifizierter Waldwirtschaft

–          Ablösung von wertvollem Stammholz als Brennstoff

–          Erhöhung des Einsatzes von Holz aus der Garten- und Landschaftspflege sowie aus
Kurzumtriebsplantagen

Dem Aufsichtsrat der BEG und dem Kreistag soll jährlich ein Bericht über den Holzbezug vorgelegt werden, der die Herkunft und die Verteilung der Holzsortimente berücksichtigt.

Ute Krakau
Fraktionsvorsitzende Grüne/BdE

Teile diesen Inhalt:

  1. Gundolf Schneider

    Mit Sicherheit wird es Unternehmen geben, die im Fall einer “negativen” Abstimmung im Kreistag, die Gelegenheit zum Kauf des HOKAWE genutzt hätten, wie von Frau Krakau angemerkt. Ob dabei eine weitestgehend ressourcenschonende Herangehensweise (um nicht schon wieder den strapazierten Begriff “Nachhaltigkeit” zu verwenden) in der Rohstoffbeschaffung nur ansatzweise eine Rolle gespielt hätte (ohne die von Frau Borgwardt befürchteten Abhackung der benachbarten Wälder)? Die Chance der Mitgestaltung im ökologischen Sinne muss nun genutzt werden!
    Noch was:
    Ich hätte mir im Vorfeld der Abstimmung eine etwas nüchternere (Emotionalität in angemessenem Rahmen lässt sich nicht immer vermeiden) Diskussion gewünscht, in der es wirklich um die Sache geht und nicht um persönliche Befindlichkeiten und u.a. geprägt von ökologischer Radikalität. (mit Blick auf diverse Blogs und Äusserungen von Wissenschaftlern sowie von pensionierte(n) Betriebsleiter(n) mit offenbar heißem Drat zur Märkischen Oderzeitung…)

    Antworten
  2. Frida Borgwardt

    da kann man/ich nur noch heulen. Ich wußte bisher nicht, dass der Handel mit ökologischen Grundwerten durch jegliche noch so positive Motive (wie Illusionen von Nullemissionen) gerechtfertigt ist. Vielleicht habe ich Glück und die GRÜNEN werden diesmal wieder überstimmt. Das erste Mal, dass ich mir das wünsche. Wir hacken unsere Wälder ab und nebenan werden trotzdem Kernkraftwerke gebaut. Prost Zukunft!!!

    Antworten

Artikel kommentieren

* Pflichtfeld